Sanddünen in Niederösterreich

"Ein Teil des Marchfeldes ist (...) unfruchtbar und dürr (...), daß man eher in eine Wüste, als in die Kornkammer der Hauptstadt versetzt zu sein glaubt. Auf diesem undankbaren Boden gedeiht kaum schlechtes Heidekraut, geschweige denn andere Pflanzen (...)." W.C.W. Blumenbach, Neueste Landeskunde von NÖ (1834)

"Hinter diesen Auen, die still und verwildert sind wie selten irgendwo in Europa, liegt das Marchfeld, eine gespenstisch leere Landschaft, in der es Sanddünen gibt wie in den asiatischen Steppen (...)." Gerhard Fritsch, Moos auf den Steinen (1956)

Von den ehemals ausgedehnten Dünen im Osten Niederösterreichs sind heute nur noch kleine Reste erhalten. Sie zählen zu den wertvollsten Lebensräumen unserer Kulturlandschaft, denn hier finden viele hoch spezialisierte Tier- und Pflanzenarten letzte Refugien.

Die Flugsande lagerten sich während bzw. unmittelbar nach der letzten Eiszeit ab, als das Gebiet zwischen March und Donau nur zu einem geringen Teil bewaldet war. Der Wind konnte aus den Sandbänken der Gewässer große Feinsedimentmengen aufwirbeln und verblasen. Im Marchfeld und Marchtal entstanden so mehrere Meter mächtige Flugsanddecken. Mit zunehmender Vegetationsbedeckung wurden die Sande allmählich stabil. Erst als der Mensch im Mittelalter die Wälder rodete und die Böden landwirtschaftlich nutzte, wurden die Sande wieder mobil.

Unter Maria Theresias Herrschaft wurde damit begonnen, die Flugsande des Marchfeldes zu stabilisieren. Im 19. und 20. Jahrhundert folgten großräumige Aufforstungen, so dass Pionierstandorte auf Sand heute nur mehr kleinräumig ausgebildet sind.